
659 Grüne Sterne gab es weltweit. Allein in Österreich wurden 41 Restaurants damit prämiert. Für viele Restaurants war es überhaupt der „erste Stern“, seitdem der Guide Michelin 2025 wieder in ganz Österreich auf den Markt getreten war. Nun ist das grüne Symbol neben den Namen der Restaurants auf der Michelin-Website verschwunden. Die Auszeichnung wurde eingestellt. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, zitierte The Guardian dieser Tage britische Spitzenköche, die viel auf diese Auszeichnung gesetzt hatten.
Kritik am Vergabeprozess
Die international und vor allem in Österreich hohe Zahl an Restaurants, die für ihre Arbeit den Grünen Stern erhalten haben, unterstreicht die starke Bedeutung von Regionalität und Umweltbewusstsein in der heimischen Küche. Zu diesen Restaurants gehört auch jenes der Familie Sicher in versteckter Idylle in Südkärnten. Koch Michael Sicher geht in der Umsetzung von Regionalität und Nachhaltigkeit stets einen Schritt weiter. Das Fischrestaurant setzt auf Fine Dining auf Basis eigener und regionaler Produkte. 24 Fischteiche werden von einem Gebirgsbach gespeist, der hauseigene Saiblingskaviar wird aus der Fischzucht schonend und lebend gewonnen, und selbst exotische Küchenkräuter kommen aus dem eigenen Garten. Für Sicher ist die Auszeichnung mit dem Grünen Stern grundsätzlich eine schöne Idee. „So wie es umgesetzt wurde, war es aber nicht in Ordnung“, erfahren wir vom Kärntner. „Ich habe die ganze Vorgehensweise von Anfang an kritisiert.“ Was war passiert? „Die Auszeichnung wird anhand eines Formulars vergeben, das wir als Betrieb ausfüllen. Manchmal kommt vielleicht ein Telefonat dazu, aber das war’s. Es ist niemand vor Ort, der sich persönlich anschaut, wen und was er eigentlich auszeichnet.“
Ob es sich nun um personelle oder budgetäre Grenzen handelt, die hinter der niederschwelligen Bewertungsstrategie stehen – in jedem Fall lag die fehlende Transparenz bei Gastronomen international schon länger in der Kritik. „Zu Recht“, wie Sicher findet. So, wie es bisher gehandhabt wurde, ähnele es mehr einer gezielten Bedienung des Trendwortes Nachhaltigkeit zu Marketingzwecken als tatsächlichen Bemühungen zur Förderung von Restaurants.
„Auszeichnungen bedeuten Sichtbarkeit“
Über die Vergabe habe man sich natürlich trotzdem gefreut: „Es ist sehr schön für uns, ausgezeichnet zu werden“, so Sicher weiter. „Auszeichnungen bedeuten für uns in erster Linie Sichtbarkeit, und im Fall des Guide Michelin vor allem bei internationalen Gästen, die genau danach suchen.“ Nach Grünen Sternen suchen – danach konnte man auf der Website des Guide schon eine Weile nicht mehr. Ein Einschnitt für Betriebe, die auf diese Auszeichnung bauen. Für Sicher ist es weniger ein Verlust als eine Bestätigung dessen, was er bereits am Vergabeprozess kritisiert hat.
Das plötzliche Verschwinden der Sternekategorie ging ebenso undurchsichtig vonstatten – wurden doch erst vor zwei Wochen in Kanada die letzten Grünen Sterne vergeben.
Als redaktionelles Konzept rückt „Mindful Voices“ nach. Damit will Michelin konkrete Persönlichkeiten vor den Vorhang holen, die neue Wege in der Hospitality-Branche beschreiten.
Ein Format mit Potenzial: „Aber nur, wenn sich an der Herangehensweise etwas ändert





