Hendrick’s im Wunderland

Where the magic happens: Zu Gast im Hendrick‘s Gin Palace.

Eine Audienz bei Lesley Gracie, dem Mastermind hinter Hendrick’s Gin. Fotocredits: Evgeniya Tsoneva

Man könnte meinen, gleich kommt ein gestresster Hase mit Taschenuhr und Kaffeelöffel um die Ecke. Oder ein irrer Typ mit Hut. Das tritt zwar nicht ein, jedoch sind die Gastgeber, die uns an einem sonnigen Tag Ende Mai nahe der schottsichen Kleinstadt Girvan empfangen, nicht minder wundersam. Durch das schwere Eingangstor des „Hendrick’s Gin Palace“ gelangt man nur auf Einladung von Mastermind Lesley Gracie, die sich zunächst die Zeit nimmt, ganz genau zu analysieren, wer hier eigentlich Eintritt in die heiligen Hallen des Gins begehrt. Ist man einmal durch das Tor und im wunderschön angelegten Garten der Hendrick’s Destillerie am Willam Grant & Sons Gelände angelangt, eröffnet sich direkt der Blick auf den im Stil eines Palmenhauses angelegten Destillerie-Palast. Lesley Gracie, mit ihren knappen 1.60m, beinahe bis zum Boden reichenden grauen Haaren und einem Wissen, das Bücher füllt, sowie eine noch namenlose Schildkröte sind nur zwei der vielen Facetten des Gin Palace, die diesen Ort so „unusual“ und fantastisch machen. Und tatsächlich bekommt man das Gefühl, man befände sich in einer Neuauflage von „Alice im Wunderland“. Der so ikonische Hendrick’s-Charme aus viktorianischen Elementen und Art Déco wurde hier, im vor 5 Jahren neu eröffneten Destilleriegebäude, von den Michael Laird Architekten nach allen Regeln der Kunst umgesetzt. Der Schachbrettboden, die zwei Palmenhäuser mit tropischen und mediterranen Pflanzen, das Grammophon und der Apothekerkoffer, die einladende Tafel mit Tee-Bar sind nur die ersten wenigen Facetten, die das Auge erreichen. Das Herzstück des beeindruckenden Gebäudes bildet die Destillerie. Unter kunstvoll ausgearbeiteten Deckenfenstern stehen stockwerkhohe Pot-Still Brennblasen aus verschiedenen Jahrzehnten, in welchem in zwei unterschiedlichen Destillationsverfahren das Wesentliche passiert. Welche Kräuter neben den obligatorischen Botanicals wie Wacholder, Engelwurz und Koriander mit in die Hendrick’s Gin-Kreationen Einzug halten dürfen, entscheidet Gracie in ihrem top ausgestatteten Labor. Die studierte Chemikerin experimentiert mit tropischen, mediterranen und heimischen Pflanzen, die in den hauseigenen Palmenhäusern gezogen werden. Hat sie einmal die ideale Zusammensetzung für die nächste Hendrick’s-Auflage gefunden, werden die nötigen Zutaten von ausgewählten Produzenten aus aller Welt geliefert. Im Gespräch mit Lesley sowie in ihrem Labor wird schnell ersichtlich: diese bescheidene Frau hat viele Abenteuer erlebt, viel gesehen und weiß ganz genau, was sie tut. Ihr ganz persönlicher Schatz in ihrem „Cabinet of Curiosities“: Ein tief im venezolanischen Urwald in kleinen Mengen destillierter Gin. Aus Lesleys breitem Wissen rund um Essenzen und Aromen und ihrem Sinn für das Besondere entstehen dann die gewohnt ungewöhnlichen Kreationen, die Gin-Fans auf der ganzen Welt verzaubern: der mit den unverwechselbaren Gurken- und Rosenessenzen angereicherte Klassiker, der extravagante „Orbium“, der florale „Midsummer Solstice“, der smoothe „Lunar“, der fruchtige „Amazonia“ oder der maritime Neuzugang „Neptunia“. Sie alle entstammen der Kreativität und dem Wissen von Lesley Gracie und verköpern den so ungewöhnlichen wie fantastischen Charme der Marke.

Im Rahmen einer Verkostung des Destillats im Ambiente eines kleinen Vintage-Hörsaals konnten weitere wertvolle Einblicke in den Entstehungsprozess und die Struktur des Produktes gewonnen werden, bevor das engagierte Küchenteam den Abend mit einem herrlichen, schottischen Dinner perfektionierte. Zum Abschluss ging es mit dem Aufzug (natürlich ebenfalls durch und durch im Hendrick’s Stil gehalten, inklusive Gurkentelefon und Zeppelin in wolkenverhangenem Himmel) in die schicke hauseigene Bar, wo uns die Bartender der NAUTICUS Bar in Edinburgh mit ihrem Know-How erwarteten.